Gartenstadterweiterung Dresden-Hellerau

Die Gartenstadt

Im Norden der sächsischen Landeshauptstadt befindet sich die erste Gartenstadt Deutschlands, Dresden-Hellerau. Fast 100 Jahre nach ihrem Entstehen hat die STESAD die Gartenstadtidee aufgegriffen und neu interpretiert. Das Resultat: ein anspruchsvolles Reihenhausensemble, das den Charme der Gartenstadttradition mit dem Komfort moderner Architektur verbindet. Es entstanden 71 Reihenhäuser unterschiedlichen Typs und 10 Eigentumswohnungen.

Alle Reihenhäuser sind mit hohem gestalterischen Anspruch und unter strengen funktionalen, ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten entworfen worden. Die in Massivbauweise errichteten Häuser wurden verstärkt schallgedämmt ausgeführt. Einige der Haustypen haben ein Gründach erhalten.

Ein Marktplatz, kleine Läden und andere Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten machen Hellerau zu einer attraktiven Wohngegend. Kindergarten, Grund- und Mittelschule vor der Haustür bringen auch den jüngsten Bewohnern der Gartenstadt Bequemlichkeit und Sicherheit.

Mit der Straßenbahn Linie 8 gelangt man direkt ins Stadtzentrum Dresdens. Räumliche Nähe und gute Anbindung zu den Mikroelektronik-Standorten Infineon, AMD, ZMD und MicroPolis zeichnen Hellerau als Wohnstandort aus.

Geschichte des Modellprojektes "Hellerau"

1908 "entdeckt" der Möbelfabrikant Karl Schmidt (1873-1948) auf einer Fahrradtour durch die reizvolle Umgebung Dresdens den sogenannten Heller. Von dessen Lage ist er so angetan, dass er kurzerhand beschließt, sein Unternehmen aus der zu eng gewordenen Stadt hierher zu verlegen und nach englischem Vorbild die erste deutsche Gartenstadt zu errichten. Binnen weniger Tage gewinnt er die Bürgermeister der nahegelegenen Siedlungen Klotzsche und Rähnitz für seine Idee.

Kongeniale Verbündete findet er in dem in Neapel geborenen, welt- und sprachgewandten Sozial- und Kunstreformator Wolf Dohrn (1878-1914) sowie in den Architekten Richard Riemerschmidt (1868-1957), Heinrich Tessenow (1861-1927) und Hermann Muthesius (1876-1950). Dohrn wird zum ersten Geschäftsführer des Deutschen Werbebundes und großen Inspirator des Projekts. Riemerschmidt konzipiert zwischen 1906 und 1908 die Gesamtanlage und baut die Werkstadtgebäude, den Marktplatz und das Klausviertel "Am Zipfel".

Tessenow und Muthesius, steuern weitere Wohnbauten bei - der eine eher großzügige und representative, der andere auf den ersten Blick puristisch-strenge, deren Reiz freilich gerade in ihrer subtilen Einfachheit liegt. Kulturelles Zentrum wird das ebenfalls von Tessenow errichtete Festspielhaus, ein Meilenstein europäischer Architekturgeschichte.
Das Experiment gelingt. Schmidts "Deutsche Werkstätten" florieren, und das bei für diese Zeit mustergültigen sozialen Bedingungen für die Angestellten. Für einige Jahre wird Dresdens Vorort "Hellerau" sogar zum Treffpunkt der europäischen Avantgarde. Hier leben und wirken der Tanzpädagoge Emile Jaqces-Dalcroze, zu dessen Schülerinnen Mary Wigman und Gret Palucca zählen, die Schriftsteller Paul Claudel, Paul Adler, Peter de Mendelssohn und Gottfried Benn, der Verleger Jakob Hegner und viele mehr.

Die alte Bausubstanz wurde in den letzten Jahren grundlegend saniert. Nun zieht das Flair von Siedlung und Landschaft wieder Bewohner und Besucher gleichermaßen in seinen Bann. In der Umgebung - weit genug entfernt, um die Atmosphäre nicht zu stören und nah genug, um bequem erreichbar zu sein - haben sich moderne Hightech-Firmen angesiedelt, unter ihnen die Chipwerke von Infineon und AMD. Ins Festspielhaus, das Jahrzehnte der Roten Armee als Unterkunft und Sporthalle diente, ist wieder die Kunst eingezogen. Die bauliche Erweiterung der Gartenstadt passt nicht zufällig in dieses Bild des traditionsbewussten Aufbruchs.